Das neue Dark Alliance hat eine große Schwäche – Warum ich trotzdem die Nacht durchgezockt habe

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author image by | Gaming | 0 Comments | 10 Jul 2021

Am 22. Juni erschien das neue Dungeons & Dragons: Dark Alliance, ein Koop-Action-RPG in einem der bekanntesten Fantasy-Universen der Welt. MeinMMO-Autor Benedict Grothaus hat zusammen mit Kollege Benedikt Schlotmann gespielt und war enttäuscht. Trotzdem haben die beiden viele Stunden gezockt, weil sie einfach nicht aufhören wollten. Klingt seltsam? War es auch.

Was ist Dark Alliance? Das neue Action-RPG erzählt die Geschichte des Dunkelelfen Drizzt Do’Urden und seiner Gruppe, die die Eiswindschlucht rettet – eine Geschichte, die Fans der Forgotten Realms vermutlich kennen und die anderen wohl weniger sagt. Das ist aber auch nicht so wichtig.

Ihr spielt in verschiedenen Missionen einen von vier Helden alleine oder im Koop zu viert, besiegt vorrangig Goblins und andere Gegner und versucht, dunkle Machenschaften zu unterbinden. Klassisches „Gut gegen Böse“.

Im Fokus stehen dabei Zusammenspiel und Kampf. Jeder Charakter spielt sich unterschiedlich mit seinen eigenen Fähigkeiten. Genau das Zusammenspiel ist jedoch ein großes Problem.

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Der offizielle Gameplay-Trailer zu Dark Alliance.

Was lese ich hier und von wem? Vorweg: Das hier ist kein fachliches Review zu Dark Alliance. Zum einen gibt es davon schon genügend (etwa bei den Kollegen von GamePro und GameStar), zum anderen wollten weder Benedikt noch ich das Spiel objektiv bewerten.

Wir sind beide riesige Fans der Welt und haben Dark Allaince auch als solche gespielt. Dungeons & Dragons ist für uns beide schon seit über 10 Jahren Teil unseres (Gaming-)Lebens.

Benedict
Benedikt

Über die Autoren: Benedikt spielte alle Teile von Baldur’s Gate leidenschaftlich gern und ist ein Fan der Forgotten Realms, in welchen Dark Alliance spielt. Ich dagegen spiele seit vielen Jahren das Pen and Paper in mittlerweile drei verschiedenen Gruppen gleichzeitig. Mindestens eine Runde pro Woche ist das Ziel.

Was ist das hier also dann? Nun, ein Erfahrungsbericht dazu, wie ein eigentlich vielversprechendes Spiel trotz Problemen fesseln kann – wenn man sich darauf einlässt. Zugleich ist es aber auch eine Mahnung an alle Interessierten, reflektiert zu überlegen, wie man ein Spiel im Vorfeld bewertet.

Wir haben gemeinsam an zwei (oder durch den Tagesumbruch eigentlich drei) Tagen etwa zehn Stunden lang gespielt.

Das Kampfsystem ist super, aber kämpfen macht keinen Spaß

Das ist die große Schwäche des Spiels: Alles in Dark Alliance baut darauf auf, Gegner zu töten. Dazu bekommen wir coole Combos an die Hand, einzigartige Fähigkeiten und mächtige Ultimates. Besonders im Koop sind enorm starke Team-Angriffe möglich.

So sehr das Spiel aber auch auf Kampf und Prügelei setzt, so enttäuschend ist, dass das System nicht überzeugen kann. Die größten Schwachpunkte daran sind:

Zielen ist nur schwer möglich, oft gehen Angriffe ins Leere und es ist nicht ersichtlich, warum.Der Fokus auf den Nahkampf macht es schwer, sich zu koordinieren.Gegnerische Angriffe sind nicht sonderlich transparent – manchmal verursachen sie Schaden, scheinbar ohne eigentlich getroffen zu haben.Eigene Angriffe sind ähnlich, sie haben manchmal offenbar keinen Effekt, obwohl sie treffen.Jeder Kampf ist irgendwie das Gleiche. Gewöhnliche Monster sind wenig abwechslungsreich, dafür aber häufig anzutreffen – das wird schnell eintönig.Bosse sind schon herausfordernder, teilweise aber entweder buggy oder man kann sie „cheesen“, also einfach in eine Ecke drängen und so lange verprügeln, bis sie tot sind.

Viele Angriffe lassen sich zudem nicht abbrechen und es ist nicht klar, wie lange man sie eigentlich durchführt. Gerade mit Drizzt, dem Schurken, passierte es mir häufig, dass der Elf noch schnell ein paar Pirouetten drehen musste und ich einem Angriff so nicht ausweichen konnte.

Ziemlich oft musste mir Benedikt aufhelfen, nachdem mich eine riesige Trollkeule mal wieder gegen die Wand geklatscht hat. In meinen Tests alleine habe ich ähnliche Situationen lautstark verflucht.

Diese Schwachpunkte haben wir vor allem im Koop festgestellt, alleine scheint es sich zumindest etwas besser, wenn auch nach wie vor nicht perfekt spielen.

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Im Video der GameStar seht ihr mehr vom Gameplay des Spiels.

Was tun die Entwickler dagegen? In einem ersten Patch wurden bereits Verbindungsprobleme behoben, welche zum Teil dafür verantwortlich waren, dass sich Kämpfe und vor allem das Trefferfeedback so schlecht anfühlten (via Steam).

Das große Problem jedoch ist, dass das System vermutlich niemals ohne großen Rework verbessert werden kann. Ich sehe nicht, wie die Fähigkeiten und Talente so verändert werden können, dass sich das Kämpfen besser anfühlt.

Vermutlich müssten sowohl die Gegner als auch alle Charaktere einmal überholt werden – und ob das dann noch das Spiel ist, welches Dark Alliance sein will, kann ich nur schwer sagen. Allerdings bin ich mir auch gar nicht sicher, ob es das muss, denn …

… dann war es 4:30 Uhr

Warum haben wir trotzdem die ganze Nacht gespielt? In unserer ersten Session haben wir nur eine Mission gespielt, um mal zu sehen, wie sich Dark Alliance so im Koop anfühlt – die ging etwa eine Stunde. In der zweiten Session haben wir die Zeit dann vollkommen aus dem Blick verloren.

Als ich Benedikt nach – ich glaube der vierten – Mission vorschlug, noch eine Runde zu spielen, fiel uns beiden erst auf, dass es schon halb 5 ist. Wir haben völlig die Zeit vergessen, obwohl wir uns die ganze Zeit über das Kampfsystem aufgeregt haben.

Gründe dafür sind die Umgebung und die Story. Auch wenn Dark Alliance es nicht schafft, mit seinem Gameplay zu überzeugen, ist das Storytelling wirklich gut gelungen. Jedes Level erzählt seine eigene Geschichte und in der Umgebung verstecken sich Details wie aufgespießte Leichen oder alte Statuen, die irgendwie zur Story gehören – und wir wollten stets wissen, wie die da reinpassen.

Spoiler-Warnung: Hier gibt es ein paar Fetzen zur Story von Dark Alliance

Die Geschichte selbst ist zwar ziemlich schwarzweiß (Drizzt und seine Crew retten die Welt), aber spannend erzählt. Aus dem Nichts taucht hier ein Drache auf und beleidigt die Goblins, irgendwelche Pseudo-Oger beschweren sich darüber, wie Zwerge schmecken und einem offenbar wichtigen Zauberer wird seine Seele oder so etwas gestohlen. Warum? Ich weiß nicht aber ich will es noch herausfinden

Rein optisch ist Dark Alliance ebenfalls herrlich. Wir standen einige Minuten an einer Klippe und haben uns einfach die Berge angesehen. Zusammen mit der Story hat uns das Spiel dann doch ziemlich in seinen Bann gezogen, zumindest, bis wir dann doch irgendwie zu müde waren.

Optisch macht Dark Alliance einiges her und wir haben uns gerne umgesehen.

Werden wir es wieder spielen? Vermutlich ja. Wann, das wissen wir noch nicht, aber es hat doch zumindest so viel Spaß gemacht, dass wir dem Spiel irgendwann noch einmal eine Chance geben werden. Spätestens, wenn es Anzeichen gibt, dass die Probleme behoben wurden.

Einen gewissen Reiz wirkt das Setting eben auf uns aus, der irgendwie im Hinterkopf bleibt und am Gewissen nagt: „Schau doch nochmal rein, so schlecht war es doch nicht – und du hattest Spaß!“

Ein Spiel für Liebhaber und Nerds

Eine unbedingte Empfehlung können wir wegen des Kampfsystems und der Probleme damit nicht aussprechen. Trotzdem solltet ihr Dark Alliance zumindest beobachten, wenn ihr:

Koop-Games mögtDungeons & Dragons allgemein oder Forgotten Realms im Speziellen mögtnach einem hübschen Fantasy-RPG mit viel Action suchteuch abwechslungsreiche Klassen interessierenFreunde habt, mit denen ihr spielen könnt

Der letzte Punkt ist dabei vermutlich der wichtigste. Alleine war Dark Alliance wirklich anstrengend – erst im Koop hatten wir beide richtig Spaß. So etwas liest man auch in Tests häufiger. Ich bleibe deswegen bei meiner Meinung, die ich schon damals beim Anspielen mit den Entwicklern hatte:

Wir haben das neue ARPG Dark Alliance gespielt – Scheint perfekt für gemütlichen Koop-Abend (aber auch nur da)

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