Das neue WoW-Buch ist ein Muss für Story-Fans – und ein Segen für die „LGBTQIA+“-Community

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author image by | Gaming | 0 Comments | 07 Jun 2021

Das Buch „Folk & Fairy Tales of Azeroth“ hat Cortyn begeistert. Nicht nur die Geschichten selbst sind spannend, sondern auch die Moral dahinter.

Auch wenn es in den letzten Monaten und Jahren einige Probleme beim Content von World of Warcraft gibt – vor allem, was die zeitige Veröffentlichung angeht – gibt es für Fans des Universums ein anderes Medium, das ordentlich nachgelegt hat: Bücher. In den letzten Jahren sind gleich mehrere Bücher erschienen, die nicht unbedingt mit der Haupthandlung des Spiels zu tun haben und sich eher mit Nebengeschichten oder bestimmten Sichtweisen auf die Spielwelt beschäftigen.

Worum geht es in dem Buch? Das Buch „Folk & Fairy Tales of Azeroth“ ist eine Ansammlung von insgesamt 12 Kurzgeschichten, jeweils aus der Feder eines anderen Autors. Dabei sind die einzelnen Geschichten nicht zu 100 % bestätigter Teil der offiziellen Lore, die sich genau so zugetragen hat – sondern Geschichten und Erzählungen der verschiedenen Völker.

Das Buch stellt die Frage: Was für Sagen- und Gruselgeschichten erzählen sich Goblins, Vulpera, Nachtelfen und Menschen am Lagerfeuer? Was sind grundsätzliche Moralvorstellungen, die den Völkern durch Kindergeschichten beigebracht werden? Was erzählen sich Untote für Heldengeschichten und wie genau sieht eigentlich die Legende der Erdenmutter und den Tauren aus?

Gerade für Rollenspieler ist das Buch „reines Gold“, denn es füllt noch unbekannte Bereiche der Warcraft-Welt mit Leben. Doch auch generelle Warcraft-Fans dürften hier voll auf ihre Kosten kommen.

Welche Geschichten gibt es? Besonders herausragend empfand ich die Geschichte „Der Ungebetene Gast“ („The Uninvited Guest“). Die behandelt quasi das Gegenstück zum „Monster unter dem Bett“, vor dem sich Goblins fürchten. Wenn Goblins nämlich zu gierig werden, dann könnte sie der „Ungebetene Gast“ anfallen – eine unsichtbare Präsenz, die sich von den Gedanken an Gier und Besitz nährt und so den Betroffenen mit dem Schlimmsten infiziert, das Goblins sich vorstellen können: Güte und Spendierfreudigkeit.

Goblins verabschieden einen toten Bruder mit viel Reichtum – doch im Hintergrund lauert schon der “Ungebetene Gast”.

Eine andere Geschichte behandelt die Traditionen der Vulpera und verrät, warum die eigentlich permanent in der Wüste umherreisen und niemals lange an einem Ort verweilen. Das liegt nämlich an einem mysteriösen Artefakt, das der Karavane zuflüstert, an welchem Ort die Toten begraben werden müssen, damit sie ihre letzte Ruhe finden. Ignoriert man den Ruf des Artefakts und entledigt sich der toten Körper auf andere Art, dann geschehen schreckliche Dinge – und zimperlich sind diese Märchen nicht.

Aber sind wir ehrlich: Kaum ein Kindermärchen aus „unserer“ Jugend war zimperlich.

Repräsentation von Vielfältigkeit – Ziemlich gelungen

Doch noch für eine zweite Gruppe ist das Buch ziemlich gut, denn es passt ausgesprochen perfekt zum aktuellen Pride-Month. Viel Mitglieder der „LGBTQIA+-“-Community dürften sich mit dem Buch ziemlich gut „abgeholt“ fühlen. Denn viele Geschichten enthalten Anspielungen oder klare Erwähnungen von Charakteren, die sich dieser Gruppe zugehörig fühlen.

Um ein paar Beispiele zu nennen:

Die Geschichte „Steine, Moss und Tränen“ („Stone, Moss, and Tears“) handelt von einer Schildwache der Kaldorei, die sich nur unter den anderen Schildwachen so richtig wohlfühlt. Sie wurde von ihrer Familie verstoßen, weil sie nicht der Familientradition folgte, sich dem Druidentum zu verschreiben.

Im Laufe der Geschichte wird dann klar, dass die Nachtelfe als Mann geboren wurde, sich aber immer als Frau fühlte und sich daher den Schildwachen anschloss. Die Geschichte behandelt dann die Suche nach einem Ort, an dem man akzeptiert wird, wie man ist – und den damit verbundenen Freundschaften.

Ganz „nebenbei“ erwähnt die Geschichte auch, dass es gleichgeschlechtliche Paare innerhalb der Nachtelfen-Zivilisation gibt. Nur in einem Nebensatz wird erwähnt, dass die „Ehefrau einer Schildwache“ bei der Beschaffung von Materialien helfen konnte.

Auch recht deutlich ist der Bezug in der Geschichte „Warum die Meerjungfrauen Boralus verlassen haben“ („Why the Mermaids left Boralus“). Die Story behandelt im Kern die Sage der Kul Tiraner, wie Boralus erschaffen wurde. Im Zentrum der Geschichte steht die Meerjungfrau Halia, die sich in die Gezeitenweise Ery verliebt, die sie immer wieder auf dem Ausguck eines der Schiffe erblickt.

Es ist diese Liebe, die am Ende dazu führt, dass die große Seemauer von Boralus erschaffen wird, die noch heute dafür sorgt, dass die Stadt nicht jedes Jahr von den Stürmen vernichtet wird – und die Handlung ist äußerst tragisch.

Tolle Artworks begleiten die mitunter romantischen Geschichten – die oft eine düsteres Ende nehmen.

In der letzten Geschichte, „Visage Day“, geht es unter anderem um Chromie, die für die Community schon lange ein kleines Rätsel ist. Denn die Drachendame in Gestalt der kleinen Gnomin heißt eigentlich „Chronormu“ und trägt damit einen männlichen Namen. Was lange Zeit als Fehler angesehen wurde, wird mit der Geschichte ins rechte Licht gerückt. Chronormu wählt die Gestalt einer weiblichen Gnomin, weil das einfach „besser zu dem passt“, wie sie sich fühlt.

Mein Eindruck war: All das passte einfach wunderbar. Es fühlte sich niemals erzwungen an und ich hatte niemals den Eindruck, dass – was so gerne kritisiert wird – einem diese Thematiken “ins Gesicht gedrückt werden”. Sie waren sinnvolle Aspekte der Geschichte, einzelne Facetten von vielschichtigen Charakteren und eine klare Bereicherung.

Ich kann in jedem Fall eine Empfehlung für das Buch aussprechen. Auch abseits des „LGBTQIA+“-Contents sind die Storys richtig klasse, werfen ein neues Licht Charaktere wie Uther, verraten mehr über die Lebensweise der Vulpera, beleuchten das Thema der Trauerbewältigung und haben fast immer eine schöne Moral.

Viele der Geschichten haben dabei ziemlich klare Anlehnungen an Werke und Sagen, die es bereits seit Hunderten Jahren gibt. „Die Augen der Erdenmutter“ erinnert in ihren Formulierungen mehrfach an die Schöpfungsgeschichte der Bibel und die Boralus-Geschichte hat klare Parallelen zum Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ – auch in den besonders grausamen Aspekten.

Ich habe das Buch übrigens in der englischen Fassung gelesen, die ihr bei Bedarf hier auf Amazon bestellen könnt:

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World of Warcraft: Folk & Fairy Tales of Azeroth*


11 Bewertungen

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Wer lieber auf die deutsche Fassung von “Die Volksmärchen und Sagen Azeroths” warten möchte, muss sich noch bis zum 29. Juni gedulden.

Zusammengefasst und vor allem sind die 12 „Fairy Tales“ aber eines: Richtig gute Warcraft-Geschichten, die man nicht nur Kindern vorlesen kann.

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