Ein 10 Jahre altes Video könnte dem Blizzard-Chef gerade zum Verhängnis werden

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author image by | Gaming | 0 Comments | 26 Jul 2021

Ein Video aus dem Jahr 2010 fällt dem Blizzard-Chef gerade auf die Füße. Für viele ist das der Beweis: J. Allen Brack steckt tief im Blizzard-Skandal.

Die negativen Nachrichten rund um den Spieleentwickler Activision Blizzard nehmen aktuell kein Ende. Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass der Staat Kalifornien Anklage erhebt. Es geht dabei um sexuelle Belästigung, Ungleichbehandlung von Frauen am Arbeitsplatz und eine Kultur, in der all das geduldet und sogar gefördert wird. Vor allem der ehemalige Entwickler Alex Afrasiabi steht dort in der Kritik – aber auch der aktuelle Blizzard-Chef. J. Allen Brack hatte in einem Statement erklärt, dass er solch ein Verhalten im Unternehmen verurteile und es ihn schockiere.

Jetzt tauchte ein Video von der BlizzCon vor über 10 Jahren auf und ist für viele der Beweis: J. Allen Brack steckt mit im Sumpf und hat selbst dazu beigetragen, dass diese Kultur sich in Blizzard etablierte.

Wer ist J. Allen Brack? Das ist der aktuelle Präsident von Blizzard Entertainment – also quasi der oberste Chef. Schon seit 2005 arbeitet er für Blizzard, damals an World of Warcraft. Er war zuvor schon der Executive Producer und Vice President für World of Warcraft, übernahm im Jahr 2018 dann aber den Posten von Mike Morhaime, der sich von Blizzard verabschiedete.

J. Allen Brack war damals für WoW verantwortlich, jetzt ist er der Blizzard-Chef.

In einem Statement hatte er kürzlich erklärt, dass er aktiv gegen so eine Kultur einstehen würde. Ein Video aus 2010 liefert für einige nun den Beweis: Seine Aussage stimmt nicht.

Was ist das für ein Video? Der Clip stammt von 2010 und der damaligen BlizzCon. Schon früher gab es dort ein „Q&A“-Panel, bei dem Spieler ihre Fragen rund um World of Warcraft direkt an die obersten Entwickler stellen konnten.

Bei Minute 4:25 kommt eine Frau als Fragestellerin an die Reihe und erklärt, dass sie sich darüber freut, dass es in WoW so viele starke, weibliche Rollen gibt. Sie fragt aber auch, ob es Pläne für die Zukunft gibt, dass nicht alle davon aussehen, als seien sie einem „Victoria’s Secret“-Katalog entsprungen und spielt damit darauf an, dass die weiblichen Modelle im Spiel häufig Top-Modell-Maße haben und zudem auch oft wenig Kleidung tragen.

In den ersten Sekunden nach der Frage bekommt die Frau viel Beifall aus dem Publikum, wobei sich vor allem weibliche Stimmen ausmachen lassen. Kurz darauf wird das allerdings von Buhrufen einer deutlich männlich geprägten Masse übertönt.

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Es folgt darauf eine kleine Diskussion der Entwickler mit der Frage: „Aus welchem Katalog sollten sie denn kommen?“, was wieder viel Beifall aus dem Publik abbekommt. Da kann die Fragestellerin noch mitlachen.

Alex Afrasiabi fragt daraufhin noch: „Kannst du dir vorstellen, dass Sylvanas irgendwie anders aussieht? Also … wir fühlen, was du meinst und wir wollen ganz klar bei den weiblichen Charakteren variieren. Also … ja, wir wählen andere Kataloge.“

Der Fragestellerin ist diese Antwort sichtlich unangenehm, als sie sich entfernt. Vor allem der letzte Satz lässt sich wohl als Spott interpretieren.

Haben sich die weiblichen Rollen gewandelt? Besonders ironisch ist daran wohl, dass Sylvanas Jahre später tatsächlich anders aussieht und mehr verhüllende Rüstung trägt. Ihr Bauchschutz löste damals eine große Diskussion aus.

Auch ist World of Warcraft in seiner Darstellung von weiblichen Charakteren variabler geworden. Nicht mehr alle Charaktere entsprechen dem klischeehaften Schönheitsideal von „jung und sexy gekleidet“, sondern es gibt auch ein paar ältere oder beleibte Damen, wie etwa Katherine Proudmoore oder Lady Ashvane.

Etwas Ähnliches fand auch bei Hearthstone statt – dort wurde Jaina nachträglich stärker verhüllt und Charaktere wie der Sukkubus wurden sogar ganz gestrichen.

Lady Ashvane ist eines der Beispiele für eher untypische Frauen-Modelle in Videospielen.

Was hat das jetzt mit J. Allen Brack zu tun? Auch J. Allen Brack sitzt in der Runde und amüsiert sich ein wenig über die Frage, macht ein paar kleine Witze mit seinen Kollegen. Für viele ist das ein Beweis, dass er „tief mit drinhängt“ und die in der Anklageschrift beklagte, frauenfeindliche Kultur bei Blizzard schon seit langer Zeit fester Bestandteil ist und Brack sehr genau weiß, was da abgeht – immerhin sei er ja mitten drin.

Am Ende der Frage meint er sogar zu Afrasiabi: „Hey, Alex, aus welchem Katalog kommt noch gleich die Tauren-Frau?“

Auch das lässt sich als Spott interpretieren – oder als Anspielung darauf, dass WoW ja weibliche Charaktere habe, die nicht der Schönheitsnorm entsprechen – wie etwa Tauren.

So reagiert die Community auf das Video: Egal ob auf Twitter oder YouTube, das alte Video wird wild diskutiert. Es gibt zahlreiche Kommentare, viele davon sind recht frisch. Darunter etwa:

„Ein ziemlich klarer Beweis, dass J. Allen Brack ein Teil der frauenverachtenden Brüder-Kultur ist.“„Nur für’s Protokoll, der Kerl ganz links, der die Frau bei 4:30 verspottet, ist Brack. Jetzt behauptet er, ihm wäre nicht bewusst, dass es eine „Frat Boy Culture“ und Misshandlung von Frauen gibt.“„Das ist schwer anzuschauen. Ich meine, was für ein großes Arschloch musst du sein, um mit „Was meinst du?“ und „Aus welchem Katalog sollen sie denn dann kommen?“ zu antworten.
Es ist ziemlich offensichtlich was sie meinte und das war vernünftiges Feedback.
Genau so schlimm sind aber die anderen Kerle in der Masse, die sie ausbuhen. „Wir wollen, dass JEDER Charakter immer sexualisiert ist!“ verstärkt wirklich diese Stereotypen, die es über WoW-Spieler gibt.“

Der Tenor ist eindeutig: Wer sich damals schon so benommen hat, ist Teil des Problems und hat selbst dafür gesorgt, dass diese Kultur sich bei Blizzard etabliert.

Was haltet ihr davon?

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