„Garrosh did nothing wrong“ – Warum WoW-Spieler einen rassistischen Orc lieben

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author image by | Gaming | 0 Comments | 18 Jul 2021

Garrosh Höllschrei ist in World of Warcraft ziemlich beliebt, obwohl er ein Kriegstreiber wie Sylvanas war. Aber warum mögen viele den rassistischen Orc?

Während des neuen Raids „Sanktum der Herrschaft“ in World of Warcraft kam es zu einem interessanten Phänomen. Obwohl die Story sich eigentlich um Sylvanas dreht und das End-Cinematic kontrovers diskutiert wird, gibt es eine ganz andere Person, die viele mehr interessiert: Garrosh Höllschrei.

Wir wagen einen kleinen Blick darauf und versuchen zu ergründen, warum die Community diesen Orc so sehr mag.

Wer ist Garrosh Höllschrei?

Die ganze Geschichte von Garrosh ist ziemlich lang und umfangreich und würde hier den Rahmen des Artikels sprengen, daher muss hier eine kurze Zusammenfassung genügen.

Zum ersten Mal in Kontakt mit Garrosh kamen Spieler der Horde während der ersten Erweiterung von World of Warcraft – The Burning Crusade. Garrosh war der Sohn von Grommash Höllschrei und blieb in der Scherbenwelt zurück. Er wuchs in dem Wissen auf, dass sein Vater dem Blut eines Dämons erlag und Schande über seine Spezies brachte.

Erst durch Thrall lernte Garrosh, dass Grommash großes geleistet hatte. Thrall nahm Garrosh daraufhin unter seine Fittiche und nahm ihn zu den meisten großen Ereignissen mit. Das führte immer wieder zu ersten Auseinandersetzungen mit der Allianz, wie etwa kurz vor dem Sturm auf Ulduar.

Mit dem Beginn der Erweiterung Cataclysm wurde Garrosh dann zum neuen Kriegshäuptling, da Thrall sich dem Schamanismus verschrieb, um den gequälten Elementen zu helfen.

Garrosh Höllschrei – für viele Spieler der letzte “wahre” Kriegshäuptling.

Die Richtung der Horde wandelte sich. Aus dem Versuch einer friedlichen Koexistenz mit kleinen Reibereien mit der Allianz wurde ein offen geführter Expansionskrieg.

Doch auch an anderen Ecken und Enden der Welt ließ Garrosh die Horde aufmarschieren. Eschental, Steinkrallengebirge, Azshara, Brachland – überall rückte die Horde aus und selbst in Gilneas fiel man mit Hilfe von Sylvanas ein.

Garrosh war ein offener Kriegstreiber und wollte Land für die Horde – und machte daraus keinen Hehl. Das setzte sich in „Mists of Pandaria“ fort, denn Garrosh wollte Pandaria kurzerhand für die Horde erobern und die Allianz dabei auslöschen. Ganz nebenbei nutzte er eine Manabombe, um Theramore zu zerstören – eine Stadt, in der Jaina Prachtmeer regierte und die bis dahin friedliche Beziehungen zur Horde hatte. Alle Hoffnungen auf Frieden wurden mit dieser Bombe ausgelöscht.

Dabei wurde Garrosh auch immer radikaler. Er benutzte die anderen Horde-Völker oft für die „Drecksarbeit“. Jeder, der nicht seiner Ansicht der Horde zustimmte, hatte keinen Platz in der Horde.

Das alles mündete letztlich in der Belagerung von Orgrimmar. Denn nicht nur die Allianz wollte Garrosh loswerden, sondern auch eine Rebellion innerhalb der Horde, angeführt von Vol’jin.

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Obwohl Garrosh sich in seinen letzten Momenten in Freiheit sogar den finsteren Mächten des Alten Gottes Y’Sharj bedient, bleibt er seinen Ansichten gegenüber treu: Seine reine Horde solle herrschen und was er tat, tat er zum Wohl der Horde.

Garrosh wird gefangengenommen und ihm wird der Prozess gemacht. Dabei kann er durch die Hilfe eines Drachen allerdings in die alternative Zeitlinie von „Warlords of Draenor“ fliehen. Er verändert den Verlauf der Zeit und verhindert, dass sein Vater Grommash das dämonische Blut trinkt, bringt neue Technologien zur Horde und versucht, Azeroth mit diesen „reinen“ Orcs der eisernen Horde erneut zu überrennen und zu erobern.

Am Ende wird Garrosh in Nagrand gestellt und es kommt zu seinem letzten Kampf mit Thrall, der sehr emotional abläuft. Thrall will Garrosh zur Rechenschaft ziehen, doch Garrosh sieht sich weiter im Recht – er habe nur Thralls „kaputte“ Horde übernommen und aus den Trümmern versucht, das aufzubauen, was für die Horde am besten war. Garrosh unterliegt, da Thrall auf die elementaren Kräfte zurückgreift. Er stirbt und seine Seele wandert in die Schattenlande.

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Der finale Abschied im Raid

Schon im Vorfeld zur Erweiterung „Shadowlands“ wurde klar, dass die Seele von Garrosh noch einmal auftauchen wird. Im Film „Nachleben: Revendreth“ bekommen wir Garrosh zu sehen. Der wird dort von den Venthyr gefangengehalten, die ihn von seinen Sünden befreien und dabei eine Menge Anima aus ihm zapfen wollen.

Dabei wird Garrosh im wahrsten Sinne wie ein Nutztier in Ketten gehalten und immer wieder seiner Anima beraubt, um die Venthyr zu nähren.

Richtig in Kontakt kommen die Spieler mit Garrosh aber erst im neusten Raid Sanktum der Herrschaft, im Kampf gegen Dormazain. Der versucht Garrosh zu brechen – doch selbst das gelingt nicht.

Ein (vermutlich) letztes Ingame-Cinematic zeigt Garrosh nach dem Kampf. Er steht weiterhin zu all seinen Taten und erklärt, dass er alles noch einmal ganz genau so machen würde. Er wird sich niemandem beugen – weder dem Kerkermeister noch Thrall. Mit einem letzten „FÜR DIE HORDE“ greift er an, vernichtet dabei Dormazain und auch sich selbst.

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Egal wie hassenswert er auch war – er blieb sich bis zum Ende hin treu.

Fans mochten das Original-Video von Blizzard nicht und erstellten sogar ihre eigene Version.

Der Kern: Thrall gegen Garrosh – Zwei Arten der Horde

Im Zentrum dieses Themas stehen auch die zwei unterschiedlichen Ansichten der Horde. Nämlich eine von Thrall geführte Horde, die eher auf friedliche Koexistenz aus ist und eine unter Garrosh, der es nach Krieg und Ruhm auf dem Schlachtfeld dürstet.

Viele sind auch der Ansicht, dass Garrosh dem „War“ in Warcraft endlich wieder Bedeutung gegeben hätte. Zu oft hatten Horde und Allianz nun kooperiert und ein Konflikt war etwas, das sich Spieler auf beiden Seiten sehnten. Garrosh erfüllte diesen Wunsch.

Endlich gab es wieder einen klaren Grund für die Kämpfe. PvP hatte wieder einen Sinn in der Story und auch die Handlung nahm an Fahrt auf. Aus leichten Streitereien wurde offener Hass zwischen den Parteien. Friedfertige Charaktere wie Jaina wandelten sich und es schien einmal mehr „voran“ zu gehen in Warcraft.

Unter Thralls Führung war die Horde für viele zu einer “Kuschelwuschel”-Fraktion verkommen. In Warcraft 3 und auch dem Trailer zu WoW, war die Horde noch wild. Der erste Eindruck, den viele Spieler von der Horde hatte war “Das sind die coolen bösen Monster” – Orcs, Trolle, Untote, Tauren. Eben keine traditionell “guten” Fantasy-Kreaturen. Dass die Horde unter Thrall dann aber so gar nicht richtig böse war, sondern eher nach Frieden strebte, stand im Konflikt zu dieser ersten Wahrnehmung.

Warum aber ist Garrosh bei einem großen Teil der Spieler so beliebt und Sylvanas nicht? Warum „darf“ Garrosh eine Manabombe auf eine Stadt voller Zivilisten abwerfen und das ist ein grandioser Akt, um einen Krieg anzuzetteln, aber wenn Sylvanas eine Stadt der Nachtelfen anzündet, dann ist sie verhasst und stumpf?

Darüber lässt sich wohl nur spekulieren und die Gründe dürften für viele Spieler unterschiedlich sein.

Wahrscheinlich hängt es aber mit den Persönlichkeiten der beiden Charaktere zusammen.

Sylvanas spielt gerne 4D-Schach – das bis heute keiner so ganz durchschaut. Vielleicht nichtmal sie selbst.

Sylvanas war die meiste Zeit ein Charakter, der eher im Hintergrund agiert hat. Sie hat aus den Schatten heraus gelenkt, immer ihr „eigenes Ding“ gemacht, mehr oder weniger gut taktiert. Dann wurde sie in die Rolle des Kriegshäuptlings gebracht und wandelte sich. Aus „heimlich aus den Schatten agieren“ wurde ein offener Krieg mit brutaler Effizienz, Täuschungsmanövern und psychologischer Kriegsführung.

Garrosh hingegen ist ein recht „simpler“ Charakter, der dem Orc-Ideal entspricht. Er will Ehre auf dem Schlachtfeld erringen, in die Fußstapfen seines Vaters treten und Lebensraum für sein Volk. Er spinnt keine großen Intrigen. Er haut auf den Tisch und greift an – stumpf und direkt.

Ein simpler Charakter, der einfach getan hat, was er wollte, dessen Motive offen auf dem Tisch liegen.

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Sylvanas wurde oft vorgeworfen, dass sie „4D-Schach“ spiele und keiner so richtig weiß, was sie eigentlich will. Bei Garrosh war das genaue Gegenteil der Fall, denn er hat es der ganzen Welt laut ins Gesicht gebrüllt.

Dabei war Garrosh auch der einzige, der Sylvanas mal als “Bitch” bezeichnet hat – selbst wenn Blizzard das vor Kurzem aus dem Spiel gepatcht hat.

Garrosh – Ein Charakter mit nur wenig Entwicklung

Ein weiterer Umstand ist, dass Garrosh nur vergleichsweise wenig Charakter-Entwicklung besitzt. Während viele große Charaktere in Warcraft sich im Laufe der Jahre weiterentwickeln, ihre Ansichten und Motivationen sich wandeln, war das bei Garrosh nicht der Fall.

Jaina wurde von der friedliebenden Magierin erst rachsüchtig, dann weiser.Anduin wurde vom kleinen, naiven Prinzen zum pazifistischen König, der nach und nach einsieht, dass Krieg manchmal unvermeidlich ist.Sylvanas wurde von der gebrochenen Waldläuferin zur Bansheekönigin, die erst in den Schatten agierte, einen Platz für ihr Volk suchte, Kriegstreiberin wurde und in größeren Dimensionen denkt als „Horde und Allianz“.

Die Charakter-Entwicklung von Garrosh hingegen ist quasi schon in Wrath of the Lich King abgeschlossen. Garrosh liebt die Horde nach seinen Idealen und hasst die Allianz.

Die einzige Veränderung ist, dass er in die Position mit Macht gelangt und als Kriegshäuptling seine Wünsche auch endlich frei ausleben kann. Das zieht er durch.

Viele Spieler spricht genau das an. Charaktere, die sich kaum verändern und bei denen man weiß, was sie wollen und wer sie sind. Charaktere, die keine großen inneren Konflikte haben, nicht zweifeln und sich entwickeln. Charaktere, bei denen man weiß, auf was man sich einlässt. Charaktere, die die auch in 5 Jahren noch so sind, wie man sie kennengelernt hat.

Charaktere wie Garrosh Höllschrei.

Das dürfte einer von vielen Gründen sein, warum so viele Spieler sich einen Orc zurückwünschen, der im Kern gar nicht so anders als Sylvanas und alles andere als „objektiv gut“ ist.

Immerhin ist Garrosh ein massiver Rassist gewesen, der seine „wahre Horde“ über alles andere stellte und andere Völker als minderwertig betrachtete. Ein Orc, der Bewohner Orgrimmars, die seine Ansichten nicht zu 100 % teilten, an der Stadtmauer aufspießen ließ.

Wer sich Garrosh widersetzt, wurde auf den Toren aufgespießt – egal, welchem Volk er angehörte.

Vieles von dem, was Garrosh getan hat, erinnert an dunkle Kapitel der realen Geschichte.

Natürlich sind Rassismus und Kriegsverbrechen im Kontext einer spannenden Videospielwelt etwas ganz anderes als in der Realität. Sie sind interessante Elemente, die Handlung vorantreiben, moralische Dilemmata aufzeigen und oft auch lehrreich sein können – oder einfach spannend.

Trotzdem ist es erstaunlich, dass viele bei Garrosh an etwas Gutes zurückdenken, während Sylvanas – deren Taten in vielen Fällen vergleichbar oder gar identisch sind – nur noch ein Augenrollen auslöst.

Vielleicht denken die WoW-Spieler in einigen Jahren auch so über Sylvanas. Über einen Kriegshäuptling, der nicht lange gefackelt hat, sondern einfach mal eine Stadt der Allianz in Brand steckt.

Die Warcraft-Community neigt dazu – wie Menschen eigentlich in fast allen Bereichen – das Vergangene ein wenig zu verklären und es als besser wahrzunehmen, als es damals war. Von daher dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich Spieler einen „echten Kriegshäuptling wie Sylvanas“ zurückwünschen.

Solange darf Garrosh diese Position aber wohl noch innehaben.

Warum findet ihr Garrosh so viel besser als Sylvanas? Was hatte der Orc, was Sylvanas nicht hat? Oder seht ihr das ganz anders?

Der Beitrag „Garrosh did nothing wrong“ – Warum WoW-Spieler einen rassistischen Orc lieben erschien zuerst auf Mein-MMO.de.

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