Ich habe Spaß in World of Warcraft, auch wenn die Welt dagegen arbeitet

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author image by | Gaming | 0 Comments | 31 Jul 2021

Trotz allem, was bei Blizzard und World of Warcraft gerade passiert, hat Cortyn noch immer Spaß am MMORPG WoW. Aber ist das eigentlich okay?

Für Blizzard-Fans und Spieler von World of Warcraft waren die letzten Tage hart. Natürlich nicht ansatzweise so hart, wie für die betroffenen Mitarbeiter des Sexismus-Skandals bei Blizzard. Trotzdem ist es aktuell nicht einfach, den Spaß in World of Warcraft noch richtig genießen zu können.

Dabei sind aktuell vor allem zwei Punkte ausschlaggebend. Über beide wurde in den letzten Tagen schon sehr viel diskutiert, aber ich will sie trotzdem noch einmal aufgreifen.

Der Sexismus-Skandal schwebt über allem

Der wohl größte und eindeutig wichtigste Punkt sind die aktuellen Ermittlungen und Enthüllungen rund um Sexismus und Diskriminierung bei Blizzard. Die Unternehmenskultur dort muss eine richtige Katastrophe sein, bei der Frauen wie Freiwild behandelt werden und Chancengleichheit höchstens auf dem Papier besteht, aber nicht im Alltag.

Um das ganz deutlich zu machen: Ich finde diese Aufklärungen extrem wichtig und jede einzelne Untat, die ans Tageslicht kommt, ist widerlich und verdient es dennoch, gehört zu werden, damit so etwas in Zukunft vermieden wird und die Täter ihre gerechte Strafe bekommen.

Ich fand den Streik und die Forderungen der Blizzard-Mitarbeiter gut und hoffe, dass sie umgesetzt werden. Gleichzeitig haben auch die Spieler eine Art „Streik“ veranstaltet: Viele WoW-Spieler sind auf meinem Realm gleichzeitig um 19:00 Uhr ausgeloggt, um Solidarität mit den Streikenden zu zeigen. Andere haben sich um die gleiche Zeit einfach in Oribos “in den Schlund gestürzt”, ebenfalls als Zeichen.

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Auch das empfand ich ganz grundsätzlich als gute Sache und eine Möglichkeit, um ein Zeichen zu setzen, wenn man denn irgendeine Aktivität unternehmen möchte.

Doch wie so oft, wenn sich Leute für eine Sache einsetzen, wird das auch schnell zur Möglichkeit, um sich zu profilieren. Um exakt 19:04 Uhr wurde ich von jemandem aus meiner Battle.net-Liste angeschrieben, warum ich denn nicht ausgeloggt sei. Ich wurde gefragt, ob mir das Leid der Mitarbeiter denn egal wäre. Das war es natürlich nicht, aber ich halte ein „zeitgleiches Ausloggen“ auch einfach nicht für ein sinnvolles Mittel, um ein Zeichen zu setzen oder irgendwas zu bewegen. Ich will niemandem absprechen, daran teilzunehmen und manch einem hilft auch vielleicht das Gefühl, einfach “irgendetwas” zu tun.

Ich glaube, in meiner Position bei MeinMMO, wo ich (und andere Autoren) über solche Vorfälle berichte, trage ich alleine durch die Berichterstattung in inzwischen mehr als einem Dutzend Artikeln dazu bei, dass das Thema Aufmerksamkeit generiert und Druck entsteht.

Solche Vorfälle, dass aktive Spieler angegriffen werden, dass sie noch WoW spielen, erlebe ich in den letzten Tagen und Wochen immer wieder. Nicht nur im Spiel, auch im Subreddit und auf YouTube. Die Spieler fangen an, sich untereinander anzugehen. Da ist schnell „jeder, der das Spiel noch spielt, hirntot“ oder eine „Kuh, die gar nicht merkt, dass sie gemolken wird“, denn „Spaß hat doch schon lange keiner mehr, es kann sich nur keiner der Süchtlinge eingestehen“.

Hier ist mein Problem: Ich habe Spaß am Spiel. Auch trotz der Vorfälle bei Blizzard ist World of Warcraft weiterhin ein Spiel, das ich genieße. Ein Spiel, das nicht nur von den Tätern des Skandals erschaffen wurde, sondern auch von den zahlreichen Opfern, die sich damit ihren Traum in der Videospielbranche erfüllen.

Ich habe Spaß und werde weiter daran Spaß haben und trotzdem kann ich die Vorfälle bei Blizzard verurteilen.

Alles wird gehasst und alle sind Profi-Autoren

Der zweite Punkt hat gesellschaftlich nicht so eine Tragweite, wie der Blizzard-Skandal, stört mich persönlich aber massiv.

Ich mag World of Warcraft. Ich mag das Spiel im aktuellen Zustand. Ich mag die Raids, die wir bisher hatten, ich mag das „Mythisch+“-System, ich habe Spaß an den verschiedenen Pakten und finde auch Patch 9.1 ziemlich gut. Vor allem gefällt mir aber die Story sehr, die ich im Gegensatz zu vielen anderen etwa auf YouTube oder im Subreddit von WoW nicht als „schlecht geschrieben“ empfinde, sondern in weiten Teilen als konsistent und nachvollziehbar.

Der Kerkermeister, Zovaal, auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Mir gefällt, wie sich Sylvanas im Laufe der letzten 4 bis 5 Cinematics entwickelt hat, wie ihre Zweifel langsam zunahmen. Wie der Zweifel im Gespräch mit Anduin zu keimen beginnt, wie sie einen Augenblick lang schockiert wirkt, als sie erfährt, dass Nathanos tot ist und der Kerkermeister seine Seele vor ihr versteckt hält. Ich mochte, wie ein „Flashback“ aus ihrer Zeit als Arthas’ Sklavin, ausgelöst durch ein einzelnes Wort des Kerkermeisters, den finalen Anstoß gibt, der sie ihre Entscheidung überdenken lässt.

Und meinem Umfeld gefällt das auch. Offenbar ist meine Gilden- und Raidgruppe eine dieser Sonderlings-Gruppierungen, die nicht jede Story-Entwicklung abgrundtief hassen und den Schreibern alle fünf Minuten vorwerfen, dass man ja im Kindergarten bessere Autoren finden würde.

Tyrande als Avatar von Elune.

Wenn ich mit der Gilde oder Raidgruppe über die Cinematics rede, herrscht da die gleiche Begeisterung wie bei mir. Sie mögen die Entwicklung der Story, hatten Gänsehaut bei den Cinematics und ihr Erlebnis ist ähnlich positiv wie meines gewesen. Der neuste Teil der Pakt-Kampagne war grandios lustig, hatte tolle Charaktere und ein wirklich schönes Finale mit einem Auftritt von Elune. Ich hab’s gefeiert. Alle in meinem direkten WoW-Umfeld haben’s gefeiert.

Doch schaut man auf YouTube, fanden offenbar rund 85 % der Leute das Cinematic schlecht. So, wie auch schon das letzte Cinematic. Oder das davor. Oder das davor.

So “gut” kam das Tyrande-Cinematic an.

Dabei bin ich mir recht sicher, dass ich WoW nicht über den grünen Klee lobe. Auch ich finde einige Dinge nicht gut gelöst. Die Herrschaftssplitter finde ich extrem langweilig und undurchdacht, doch trübt das meinen Spielspaß nur minimal. Vielleicht, weil mir 1-2 % Leistung nicht so viel machen, da ich eh niemals mythisch raiden will.

Worauf ich eigentlich hinaus will: Wenn ihr Spaß am Spiel habt, dann genießt es. Wenn ihr keinen Spaß am Spiel habt oder glaubt, dass ein Boykott den Betroffenen hilft – dann spielt es nicht. Setzt Zeichen, die ihr setzen wollt. Aber verurteilt nicht andere Spieler, die World of Warcraft oder andere Blizzard-Spiele weiterhin mögen. Streitet euch nicht mit Leuten, nur weil sie an einem „Auslog-Protest“ nicht teilnehmen. Hört doch auf, anderen den Spaß madig zu machen, wenn euch eine bestimmte Entwicklung der Story nicht passt.

Was ich Tag für Tag im Subreddit, auf YouTube aber auch manchmal bei uns in den Kommentaren lese, finde ich immer schwerer zu begreifen. Ich würde mir einfach wieder ein bisschen mehr Sachlichkeit und Differenzierung wünschen. Ich glaube, das würde allen gut tun.

Der Beitrag Ich habe Spaß in World of Warcraft, auch wenn die Welt dagegen arbeitet erschien zuerst auf Mein-MMO.de.

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