Ich spiele seit 15 Jahren MMORPGs: In keinem bin ich so oft gestorben wie in Mortal Online 2

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author image by | Gaming | 0 Comments | 14 Sep 2021

Mortal Online 2 gilt als knallhartes PvP-MMORPG und konnte im September kostenlos auf Steam getestet werden. MeinMMO-Redakteur Alexander Leitsch hat es ausprobiert und ist überraschend oft gestorben und das nicht nur durch andere Spieler. Trotzdem hatte er viel Spaß am Test.

Was ist das für ein Spiel? Mortal Online 2 ist ein Sandbox-MMORPG mit der klaren Ausrichtung auf PvP. Die Kern-Features sind:

Ein actionreiches Kampfsystem mit Blocken und gezielten SchlägenEin Verzicht auf klassische Level – stattdessen gibt es über 600 Skills, die ihr lernen könntEin tiefgehendes Crafting-SystemFreier Handel zwischen den SpielernEine offene Spielwelt, die ihr erkunden und in der ihr bauen könnt.

Mortal Online 2 setzt dabei auf offenes PvP samt Full-Loot, wodurch ihr eure getragene Ausrüstung verlieren könnt. Damit eignet es sich nicht für jeden MMO-Fan, sondern spricht eine klare Zielgruppe an.

Genau diese Zielgruppe kann jedoch viel Spaß haben. Das habe ich im Selbsttest sofort gespürt. Zwar bin ich ein riesiger Themepark-Fan, doch wenn ein MMORPG mit offenem PvP wirbt, wissen die Spieler, woran sie sind und können sich voll darauf einlassen.

Und der Aussage, dass Mortal Online 2 wohl eines der besten PvP-MMORPGs überhaupt ist, würde ich in jedem Fall zustimmen.

Wer spricht hier? Alexander Leitsch ist der MMORPG-Experte auf MeinMMO. In Titeln wie Guild Wars 2, ESO, Black Desert und WoW hat er tausende von Stunden versenkt. Seine ersten Schritte in die MMO-Welt hat er 2006 mit Guild Wars 1 und Star Wars Galaxies unternommen. In Mortal Online 2 hat er während des Stresstests etwa 5 Spielstunden investiert.

Die ersten Tode schon in den ersten Spielminuten

Was macht das Spiel so interessant? Mortal Online 2 ist nur schwer mit Spielen wie WoW oder FFXIV, aber auch PvP-MMORPGs wie Albion Online zu vergleichen. Am ehesten ähnelt es noch New World, was die generelle Geschwindigkeit und Dauer der Animationen angeht:

Gekämpft wird grundsätzlich in der Ego-PerspektiveDurch das Drücken der linken Maustaste führe ich einen Angriff aus.Durch die Bewegung der Maus in eine bestimmte Richtung ändere ich jedoch die Art des Schlagens. So kann ich von oben herab, von der Seite oder frontal zustechen.Der Feind wiederum kann einen solchen Angriff mit der rechten Maustaste blocken. Auch hier bestimmt die Maus die Richtung des Blocks. Blockt ihr in die falsche Richtung, dann geht der Angriff trotzdem durch.

Genau mit dieser Mechanik aus Angreifen und Blocken hatte ich die ersten Minuten und Stunden schwer zu kämpfen.

Schon die ersten Untoten machen mir ordentlich zu schaffen.

Wie schlage ich mich im Kampf? Kurz nach dem Start bekomme ich eine Quest auf einem Friedhof, bei der ich Angriffe von Zombies blocken und einen Konterangriff ausführen soll. Doch das ist gar nicht so einfach.

Immerhin muss ich anhand der Animation erkennen, aus welcher Richtung der Zombie – links, rechts, frontal, von oben – angreift. Entscheide ich mich falsch, bekomme ich Schaden und die Quest schreitet nicht voran.

Tatsächlich schaffen es diese ersten Zombies mich gleich zweimal zu töten, weil ich mich erst beim Blocken und später dann beim Wegrennen sehr ungeschickt anstelle. Das ist mir sogar etwas peinlich! Und ich kann mich an kein anderes MMORPG erinnern, bei dem mich schon Low-Level-Mobs praktisch im Tutorial umgebracht haben.

Doch das Sterben zieht sich weiter durch meine weitere Spielzeit.

Die ersten Kämpfe im PvP sind das absolute Grauen

Wie ging es für mich weiter? Nach einigen Quests zum Crafting, einem Tutorial zum Bogenschießen und weiteren kleinen Aufgaben verschlug es mich nach einigen Stunden in das PvP. Denn in der Startzone und in Städten seid ihr vor jeglichen PvP-Aktivitäten sicher. Das ist schön!

Doch draußen, in der weiten Wildnis, sieht das anders aus. Dort herrscht offenes PvP. Und dreist wie ich bin, habe ich zuerst die anderen Spieler angegriffen. Schließlich hat derjenige, der den ersten Schlag ausführt, einen kleinen Vorteil in den Lebenspunkten.

Im ersten Kampf habe ich den Bogen genutzt und mein Gegenüber mit einer Salve von Pfeilen eingedeckt. Der war jedoch eher unbeeindruckt davon, was auch daran lag, dass irgendwie nur jeder dritte Pfeil überhaupt getroffen hat. Irgendwann stürmte er dann seinerseits auf mich los. Im Nahkampf hatte ich keine Chance und mit wenigen Hieben lag ich das erste Mal im Dreck.

Und genauso ging es weiter.

Mit dem Bogen wollte ich mir einen Vorteil im PvP erarbeiten. Doch das Treffen will erstmal gelernt sein.

Alle 6 Spieler, mit denen ich mich duellierte, waren deutlich besser als meine Wenigkeit. So bekam ich in allen Kämpfen voll auf den Sack. Keines konnte ich siegreich beenden, immer wieder kehrte ich als toter Charakter beim Priester in die Welt der Lebenden zurück.

Die Schmach, dass ich bereits an PvE-Zombies gestorben bin, konnte nicht getilgt werden. Im Gegenteil.

Eigentlich ein frustrierender Moment, doch irgendwie hat Mortal Online 2 damit meinen Ehrgeiz geweckt. Ich möchte besser werden und möchte das nächste Mal die anderen Spieler verprügeln. Leider reichte dafür die Zeit am Wochenende nicht mehr aus – so ist das Leben als Vater.

Was ich auch gerne ausprobiert hätte, ist der Kampf zu Pferd. Das ist in dem MMORPG möglich, doch leider bin ich nicht zum Zähmen eines Reittiers gekommen.

Eine steile Lernkurve, die viel Zeit benötigt

Wie gefällt mir das MMORPG allgemein? Grundsätzlich muss ich sagen, dass Mortal Online 2 grafisch keine Höchstleistung bietet. Die Welt sieht gut, aber nicht überragend aus und die Animationen sind eher abgehakt.

Enttäuscht bin ich von den Landschaften, die in den ersten 5 Stunden alle nach typischen Einöden aussahen und wenig Abwechslung boten. Möglich, dass dies im Mid- und Endgame anders aussieht. Trotzdem merkt man bei der Grafik, dass ein Indie-Studio hinter dem MMORPG steht.

Cool ist jedoch die Charaktererstellung, bei der ich die Auswahl aus mehreren Völkern und zudem einem mir speziell zugeschnittenen Stammbaum habe. So lassen sich die Völker sogar etwas mischen.

Bei der Charaktererstellung könnt ihr zudem Attribute verteilen, die Einfluss auf eure Fähigkeiten im Kampf nehmen. Ebenfalls besonders ist das Gewicht des Charakters:

Je leichter ihr seid, desto mehr Punkte könnt ihr etwa in Geschick verteilen.Schwere Charaktere hingegen haben mehr Lebenspunkte und können stärker zuschlagen.

Diese Feinheiten machen die Charaktererstellung zu einer kleinen Wissenschaft.

Die Charaktererstellung in Mortal Online 2 bietet viele Optionen und ist eine kleine Wissenschaft für sich.

Auch sonst verlangt Mortal Online 2 den Spielern viel Denken und Planen ab. Das Einarbeiten in das Crafting-System kostet Zeit, das Freischalten der Skills ebenfalls. Zudem solltet ihr unbedingt mit einer Gilde zusammenarbeiten, da sich das MMORPG nach meiner bisherigen Erfahrung nur wenig für Solo-Spieler eignet.

Mortal Online 2 setzt wie ESO und New World auf einen Kompass am oben Rand des Bildschirms. Zudem gibt es freien Handel zwischen den Spielern, ein Feature, auf das viele moderne MMORPGs immer öfter verzichten.

Im Endgame sollen dann noch Housing und Kämpfe um Festungen warten, doch so weit bin ich lange nicht gekommen.

Mortal Online 2 bietet 1.100 Action-Skills und über 1.200 Crafting-Skills. Viel gibt also viel zu lernen.

Die Community als Pluspunkt: Im Zuge meiner Recherchen rund um das Spiel bin ich auf viele interessante Videos gestoßen, darunter organisierte PvP-Schlachten, ritterliche Turniere und Rollenspiel.

Wer also tief in das Spiel einsteigen und sich in der Community engagieren möchte, kann sicher einige großartige Events erleben.

Ein Beispiel dafür, wie diese PvP-Turniere aussehen, könnt ihr euch beim YouTuber Wolfszeit anschauen. Der hat übrigens auch einige Guides und weiteres Gameplay auf seinem Kanal hochgeladen:

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Bezahlsystem mit größer Hürde für interessierte Spieler

Wie finanziert sich das MMORPG? Neben der Tatsache, dass Mortal Online 2 mit dem PvP-Fokus eine klare Nische besetzt, empfinde ich persönlich das Preismodell als schwierig. Denn so viel Lust ich auf das PvP-MMORPG habe, so sehr schreckt mich das Buy2Play samt Abo ab.

Um Zugang zu dem MMORPG zu bekommen, muss ich zuerst zwischen 40 und 150 Euro für die Spielversion ausgeben. Danach benötige ich ein Abo, das monatlich kostet. Das ist eine große Einstiegshürde für Spieler, die das Spiel gerne mal ausprobieren würden, ohne sich dauerhaft daran zu binden.

Auf der anderen Seite verzichtet Mortal Online 2 auf einen Cash-Shop und auf die Möglichkeit, Echtgeld in Ingame-Währung zu tauschen. Pay2Win und weitere Kosten abseits des Abos werden komplett ausgeschlossen. Das ist wiederum ein Pluspunkt.

Wann erscheint das Spiel? Mortal Online 2 startet am 26. Oktober in den Early Access auf Steam. Für den Zugang dazu werdet ihr bereits das Abo zahlen müssen. Der vollständige Release soll 2022 stattfinden.

Fazit nach 5 Stunden: Kein MMORPG für jedermann, aber definitiv ein spannendes Spiel

ProEine interessante und immersive SpielweltEin aktives Kampfsystem mit viel TiefeSkill spielt eine größere Rolle als AusrüstungDie Möglichkeit dutzende Stunden in Theorycrafting zu steckenEine Community, die eng zusammenarbeitet und Schlachten und Kämpfe organisiert
ContraSchwieriger EinstiegKeine Top-GrafikEin Spiel nur für PvP-Fans samt Full-LootSolo-Spieler haben es schwer

5 Stunden sind nun keine gigantische Spielzeit in einem MMORPG, aber sie reichten, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Und der ist überraschend positiv und führte dazu, dass ich gerne noch mehr Zeit in das Spiel stecken möchte.

Obwohl ich in keinem MMORPG bisher so oft und so schnell gestorben bin, wie in den ersten Stunden von Mortal Online 2, so verstehe ich vollkommen, worin der Reiz des Spiels liegt. Die Idee, das Skill der Spieler wichtiger ist als Ausrüstung, das interessante Kampfsystem, die ständige Gefahr und vor allem die organisierte Community hinterlassen einen positiven Eindruck.

Aber Mortal Online 2 eignet sich nur für einen bestimmten Spielertypen. Wer an seiner Ausrüstung hängt, gerne einer Stoy nachjagt oder lieber daddelt, als sich tief in die Spielsysteme einzuarbeiten, der sollte Mortal Online 2 einfach ignorieren. Da gibt es mit WoW, Guild Wars 2 oder ESO einfach bessere Alternativen.

Wer sich aber auf das MMORPG einlässt, Lust auf PvP und Theorycrafting hat und sich in einer Gilde engagiert, der kann in dem Sandbox-Spiel sicher die Onlinezeit seines Lebens haben. Zusammen mit Albion Online gehört Mortal Online 2 schon jetzt zu meinen Favoriten, wenn es um MMORPGs mit Open-World-PvP geht.

Alexander Leitsch

MMORPG-Experte bei MeinMMO

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