WoW könnte gerade seinen Platz auf dem MMORPG-Thron verlieren

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author image by | Gaming | 0 Comments | 29 Jul 2021

New World befindet sich gerade in der Beta und lockt bereits zehntausende Spieler an. Das neue MMO von Amazon macht Spaß, ist aber nicht vergleichbar mit etablierten MMORPGs – findet zumindest MeinMMO-Autor Benedict Grothaus. Trotzdem ist er sich sicher: Wenn ein Spiel den Platzhirsch World of Warcraft „töten“ kann, dann ist es New World und auch nur jetzt gerade.

Seit mittlerweile über 16 Jahren spiele ich World of Warcraft ohne längere Pausen. Zu Ende Vanilla habe ich angefangen, mit The Burning Crusade fing mein WoW-Leben richtig an und bis heute bin ich begeisterter Progress-Raider.

Tatsächlich sind Raids das einzige, was mich noch dauerhaft an WoW hält und aus meiner Sicht der beste Inhalte, der das MMORPG von allen anderen unterscheidet und der Grund, warum WoW noch immer lebt. Nun gibt es aber einen neuen Herausforderer: New World von Amazon.

New World befindet sich aktuell noch in der Beta, um dann am 31. August 2021 zu erscheinen. Nach aktuellem Stand kommt das MMO ziemlich gut an:

Über 180.000 Spieler zockten allein die Closed Beta, brachten New World auf Platz 3 auf Steam66 % von euch finden die Beta gut, auch wenn einige Kleinigkeiten störenHier auf MeinMMO ist New World gerade eines der größten und heißesten Themen

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Der Trailer zur Closed Beta von New World.

Die Zahlen sind zwar hübsch, reichen aber noch lange nicht an die Millionen von World of Warcraft heran. „Warum behauptest du dann, New World könnte WoW killen?!“ – Hervorragende Frage und eine, auf welche die Antwort etwas länger ausfallen wird.

Vorab: New World und World of Warcraft sind grundverschieden. So sehr, dass ich nach meinen knapp 30 Stunden in der Beta behaupten würde, dass New World streng genommen nicht einmal ein MMORPG ist. Darum eine kleine Erklärung.

New World und WoW sind eigentlich zwei grundverschiedene Spiele

Das neue MMO hatte nie die Ambitionen, einer der berühmten „WoW-Killer“ zu werden. New World ist kein klassisches MMORPG, sondern mischt viele klassische Charakteristika von RPGs, MMOs und Survival-Games, um sie mit PvP- und PvE-Inhalten zu erweitern.

Dementsprechend gibt es auch kaum Gemeinsamkeiten im Gameplay. New World hat keine Klassen, wenig Story und keine verschiedenen Völker. WoW hat riesige Raids und basiert auf einer gigantischen Welt, die schon in dutzenden Büchern und anderen literarischen Werken ausgearbeitet wurde.

7 Dinge, die ihr über New World wissen müsst, wenn ihr von WoW kommt

Trotzdem gibt es gewisse Gemeinsamkeiten, die auf den ersten Blick nicht gerade auffallen. Genau die sind aber wichtig, wenn man überlegt, warum und wie New World doch ein WoW-Killer sein könnte.

New World ist mehr wie WoW Classic

New World spricht mit seinen Inhalten ziemlich genau das an, was Spieler damals in Classic und später auch in Burning Crusade noch erfahren haben. Amazons MMO ist einfach langsamer, dauert länger und ist zugleich etwas einfacher gehalten:

Quests sind eher flach, umfassen meist nur: „Geh dort hin, töte X und sammle Y“ – und das immer wiederCrafting hat einen enorm hohen Stellenwert, so sehr, dass einige der besten Gegenstände nur durch Crafting und Grind zustande kommenDie Wege sind lang und man läuft ewig von A nach BKlassen oder deren Ersatz sind eher einfach gehalten, nutzen zwar nicht allzu viele Fähigkeiten aber unterscheiden sich im Gameplay deutlich voneinander

Alle Punkte treffen auf beide Spiele zu. Dass es viele Spieler gibt, die auf das „WoW von damals“ stehen, zeigt allein der Erfolg von WoW Classic. Und schließlich wurde selbst die erste Erweiterung „The Burning Crusade“ neu aufgelegt.

Burning Crusade zeigt: klassisches WoW-Gameplay begeistert noch immer tausende Spieler. Sogar ich hatte mehr Spaß als ich sollte.

New World kann also durchaus den „Kern“ von WoW bedienen und Spieler begeistern, welche zumindest seit einigen Jahren dabei sind. Auch langjährige WoW-Spieler wie der Streamer shroud sind der Meinung, dass New World Erfolg haben wird, wo WoW scheiterte.

Wichtiger ist jedoch vermutlich, dass New World genau jetzt erscheint.

Der ideale Zeitpunkt, um WoW vom Thron zu stoßen

MMORPG-Spieler warten schon seit Jahren auf neuen Nachschub. Zwar gab es immer wieder Neuerscheinungen aus Asien, jedoch haben westliche Entwickler lange nichts von sich hören lassen oder Spiele verschoben.

Jetzt, 2021, gibt es erstmals wieder ordentlich Nachschub. Erst erschien mit Crowfall ein neues PvP-MMORPG, jetzt kommt mit New World ein neues MMO, welches zumindest auch MMORPG-Spieler anspricht.

Insgesamt sind schon 4 neue MMORPGs 2021 erschienen, welche WoW potentiell Spieler streitig machen könnten.

MMO-Dürre macht WoW angreifbar

In der langen Zeit zuvor gab es keine große Auswahl an MMORPGs mit vielen Spielern, zumindest nicht im Westen. Wir hatten hauptsächlich:

WoW als riesigen PlatzhirschFinal Fantasy XIV als „westliches“ Asia-MMO und KonkurrenzESO und Guild Wars 2 mit deutlich weniger Spielernkleinere Konkurrenten und Liebhaberspiele wie Neverwinter und Herr der Ringe Online

Zwar haben die großen Titel immer wieder Erweiterungen, Updates und Inhalte bekommen, aber sie blieben eben immer noch die gleichen Spiele. Es fehlte an frischen Ideen und MMOs, die Spieler lange fesseln konnten.

New World erfüllt genau dieses Bedürfnis nun.

Kurz nach dem Start der Beta kam dann noch etwas dazu, mit dem vermutlich niemand gerechnet hat, das aber New World unerwartet stärken könnte: ein riesiger Skandal.

Blizzard schadet sich selbst und es wird nicht besser

Im Moment schlägt sich Blizzard mit Vorwürfen von sexueller Belästigung und toxischem Geschäftsklima herum. Angestoßen wurde das alles durch eine Klage des Staates Kalifornien gegen den Konzern.

Innerhalb weniger Tage wuchs dieser Streit und nahm immer größere Ausmaße an:

Ikonen wie Chris Metzen meldeten sich zu Wort, sagen: „Wir sind gescheitert“Videos von vor 10 Jahren fallen den Chefs auf die Füßemehr als 1.500 Mitarbeiter stellen sich selbst gegen Blizzarddie Arbeit an WoW soll in dieser Zeit sogar vollkommen still liegen

Die WoW-Spieler reagieren ebenfalls auf die Entwicklung und die Informationen, welche sie aufschnappen können. Viele sind verärgert, einige starten sogar Demonstrationen, in denen sie bestimmte NPCs abschlachten, um Zeichen zu setzen.

Alex Afrasiabi hat sich zum Antagonisten entwickelt. Seine NPCs in WoW wurden zum Ziel der Spielerproteste.

Die Stimmung ist stellenweise sehr aufgeheizt und ein großes Problem dürfte sein, dass sie das schon zuvor war. Immer wieder gab es Beschwerden über das neue Addon Shadowlands und den aktuellen Patch 9.1, die Systeme und Features oder den technischen Zustand.

Das ging soweit, dass einige tausend Spieler sich anderweitig umsahen – und fündig wurden.

Kein MMO kann WoW alleine töten, aber New World hat Hilfe

Traditionell hat es noch nie ein MMO geschafft, WoW zu „töten“. Einer der vermutlich berühmtesten „WoW-Killer“ war WildStar, welches selbst nicht lange überlebte. Das Problem dieser Spiele war stets, dass sie WoW mit den eigenen Waffen schlagen wollten: PvE-Inhalte und Gameplay.

Die 5 größten „WoW-Killer“, die jedoch von WoW gekillt wurden  (LINKBOX)

Hier hat Blizzard aber schon so viele Jahre Erfahrung, dass das kaum möglich ist. Die Grundlage, auf der neue Inhalte für WoW entwickelt werden, ist schon auf einem so hohen Niveau, dass neue Spiele es hier gar nicht probieren müssen.

Tatsächlich ist dieses „Nacheifern“ einer der Gründe, warum WoW-Killer beinahe das ganze Genre gekillt hätten, wie schon MMO-Guru Gordon Walton sagte.

New World versucht aber genau das nicht, sondern verfolgt einen eigenen Ansatz. Der alleine ist nicht genug, um die riesige Spielerschaft von WoW abzugraben, aber Amazon hat Hilfe.

Final Fantasy startet einen unbeabsichtigten Angriff auf WoW.

FFXIV fängt enttäuschte Spieler auf

Die Unzufriedenheit treibt seit einigen Wochen viele tausend Spieler zu Final Fantasy XIV. Den Anfang machten große Streamer wie Asmongold, deren Communitys und immer mehr Spieler folgten.

Final Fantasy wurde zu einer Zuflucht für enttäuschte WoW-Spieler, wuchs immer weiter und brach dabei sogar einige Rekorde. Die Gespräche in beiden Community wurden einige Zeit von Gesprächen über die Spiele dominiert.

Daraus entbrannten immer wieder Streits von Fans beider Spiele, welche die Communitys auf beiden Seiten beherrschten. Aber auch, wenn sich die Spieler nicht einig werden konnten, welches MMORPG nun besser ist, steht fest: FFXIV hat viele neue Spieler erhalten – so viele, dass der Chef sich sogar für den Erfolg entschuldigt.

Final Fantasy selbst könnte genau wie New World auch WoW alleine niemals töten. Die Spiele unterschieden sich zu sehr und auf kurz oder lang kehren die meisten WoW-Spieler zurück. Zumindest für den Moment sind sie aber weg und das könnte genug sein für den „Anfang vom Ende.“

WoW-Ikonen wie Asmongiold spielen plötzlich Final Fantasy.

Wenn WoW stirbt, dann wird das ein paar Jahre dauern

Sowohl New World als auch Final Fantasy und der Sexismus knabbern gerade gemeinsam an World of Warcraft. Jedes von ihnen alleine könnte WoW nicht zu Fall bringen, sie alle zusammen aber sehr wohl.

Allerdings wird Blizzards Flaggschiff nicht von heute auf morgen abgeschaltet. Wenn WoW stirbt, dann wird dieser Prozess lange dauern, mit Sicherheit einige Jahre. Jetzt gerade wird aber ziemlich sicher der Grundstein dafür gelegt.

Viele Core-Gamer sind zu Final Fantasy abgewandert, werden aber wiederkehren, wenn sie merken, dass sie dort nicht den gleichen Kick finden. Wenn sie aber zurückkommen wollen, kann es gut sein, dass die World of Warcraft von einst nicht mehr existiert.

New World wird mit Sicherheit einige der alten Spieler als auch Casuals abgraben können, sodass die Communitys in WoW weiter schrumpfen. Im schlimmsten Fall haben sich die Gilden aufgelöst und die FFXIV-Wiederkehrer sind dann plötzlich heimatlos.

Dazu hat Blizzard bereits jetzt eine Image-Schädigung durch den Skandal abbekommen, von dem die Erholung viel Zeit und noch mehr Arbeit in Anspruch nehmen wird.

Möglicherweise ist das sogar der Weckruf, den Blizzard braucht, um WoW umzulenken und doch noch zu „retten“. Wenn es aber ein Spiel schafft, WoW zu stürzen, dann ist es New World und auch nur genau jetzt – selbst wenn einige Spieler der Meinung sind, dass es noch lange nicht dazu bereit sei:

Twitch-Streamer meckert: „New World ist nicht bereit für den Release“ – Zockt trotzdem stundenlang

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